Lernzettel: Stehende Wellen, Licht und Laser

Physik Kursstufe – Klausurvorbereitung

So benutzt du diesen Lernzettel: Jedes Kapitel enthält die Kernaussagen, die Formeln und ein durchgerechnetes Beispiel. Am Ende findest du eine kompakte Formelübersicht, die wichtigsten Konstanten und eine Checkliste zum Selbsttest.

Inhalt

  1. Grundgrößen von Wellen
  2. Interferenz
  3. Stehende Wellen
  4. Reflexion am festen und am losen Ende
  5. Eigenschwingungen einer Saite
  6. Stehende Schallwellen im Rohr – Kundt'sches Rohr
  7. Welle im Kasten – das gemeinsame Prinzip
  8. Hertzscher Dipol
  9. Elektromagnetisches Spektrum
  10. Photonen: Energie von Lichtquanten
  11. Das Wasserstoffspektrum
  12. Absorption und Emission
  13. Der Drei-Niveau-Laser
  14. Eigenschaften von Laserlicht
  15. Laserlicht am Doppelspalt
  16. Formelübersicht, Konstanten, Checkliste

1 Grundgrößen von Wellen

Eine Welle ist eine sich im Raum ausbreitende Schwingung. Sie transportiert Energie, aber keine Materie.

Größe Zeichen Einheit Bedeutung
Wellenlänge λ\lambda m Abstand zweier benachbarter Punkte gleicher Phase
Periodendauer TT s Dauer einer vollständigen Schwingung
Frequenz f=1/Tf = 1/T Hz = 1/s Anzahl der Schwingungen pro Sekunde
Ausbreitungsgeschwindigkeit cc m/s Geschwindigkeit, mit der sich die Welle ausbreitet
Amplitude s^\hat{s} m maximale Auslenkung
c=λ⋅fc = \lambda \cdot f

Merke: Geht eine Welle in ein anderes Medium über, bleibt die Frequenz ff gleich. Ausbreitungsgeschwindigkeit cc und Wellenlänge λ\lambda ändern sich.


2 Interferenz

Superpositionsprinzip: Treffen Wellen aufeinander, addieren sich ihre Auslenkungen an jedem Ort. Anschließend laufen die Wellen ungestört weiter.

Entscheidend ist der Gangunterschied Δs\Delta s, also der Unterschied der Wegstrecken, die zwei Wellen bis zu einem Punkt zurücklegen.

Interferenz Bedingung Ergebnis
konstruktiv Δs=k⋅λ(k=0,1,2,… )\Delta s = k \cdot \lambda \quad (k = 0, 1, 2, \dots) Wellen gleichphasig → Verstärkung
destruktiv Δs=(2k+1)⋅λ2(k=0,1,2,… )\Delta s = (2k+1) \cdot \dfrac{\lambda}{2} \quad (k = 0, 1, 2, \dots) Wellen gegenphasig → Auslöschung

Voraussetzung: Nur kohärente Wellen erzeugen ein stabiles Interferenzmuster. Kohärent heißt: gleiche Frequenz und eine zeitlich feste Phasenbeziehung.


3 Stehende Wellen

Entstehung: Zwei Wellen mit gleicher Frequenz und gleicher Amplitude laufen einander entgegen. Meist ist das eine Welle und ihre eigene Reflexion. Durch Interferenz entsteht eine stehende Welle.

Abstand K–K=Abstand B–B=λ2Abstand K–B=λ4\text{Abstand K–K} = \text{Abstand B–B} = \frac{\lambda}{2} \qquad \text{Abstand K–B} = \frac{\lambda}{4}
laufende Welle stehende Welle
Amplitude überall gleich (s^\hat{s}) ortsabhängig: 0 im Knoten, 2s^2\hat{s} im Bauch
Phase wandert mit der Welle zwischen zwei Knoten schwingen alle Punkte gleichphasig, benachbarte Abschnitte gegenphasig
Energietransport ja nein (Energie pendelt nur hin und her)
Momentaufnahme Wellenberge wandern Form „pulsiert“ auf der Stelle, Knoten bleiben fest

Zur Vertiefung: Für eine nach rechts und eine nach links laufende Welle gilt

s1=s^sin⁡(ωt−kx),s2=s^sin⁡(ωt+kx)s_1 = \hat{s}\sin(\omega t - kx), \quad s_2 = \hat{s}\sin(\omega t + kx)

mit k=2π/λk = 2\pi/\lambda und ω=2πf\omega = 2\pi f. Der Ort bestimmt die Amplitude, die Zeit die Schwingung.

Überlagerung mehrerer stehender Wellen: Eine reale Saite schwingt meist gleichzeitig in der Grundschwingung und in mehreren Oberschwingungen. Diese stehenden Wellen überlagern sich. Die Grundschwingung bestimmt die Tonhöhe, die Mischung der Oberschwingungen die Klangfarbe.


4 Reflexion am festen und am losen Ende

festes Ende loses Ende
Beispiele Saite am Steg, Seil an der Wand, Luftsäule am geschlossenen Rohrende freies Seilende, Luftsäule am offenen Rohrende
Reflexion mit Phasensprung um λ/2\lambda/2: Ein Wellenberg kommt als Wellental zurück ohne Phasensprung: Ein Wellenberg kommt als Wellenberg zurück
am Ende entsteht Knoten Bauch

Merkregel: Festes Ende → Knoten. Loses Ende → Bauch.


5 Eigenschwingungen einer Saite (z. B. Gitarrensaite)

Eine Saite ist an beiden Enden fest eingespannt. Deshalb liegen an beiden Enden Knoten. Es sind nur stehende Wellen möglich, bei denen eine ganze Zahl halber Wellenlängen auf die Saite passt:

L=n⋅λn2⇒λn=2Ln⇒fn=cλn=n⋅c2L=n⋅f1(n=1,2,3,… )L = n \cdot \frac{\lambda_n}{2} \qquad\Rightarrow\qquad \lambda_n = \frac{2L}{n} \qquad\Rightarrow\qquad f_n = \frac{c}{\lambda_n} = n \cdot \frac{c}{2L} = n \cdot f_1 \qquad (n = 1, 2, 3, \dots)
Eigenschwingungen einer beidseitig eingespannten Saite
Abb. 1: Eigenschwingungen einer beidseitig eingespannten Saite

So ändert man die Tonhöhe:

Rechenbeispiel: Die tiefe E-Saite einer Gitarre hat eine schwingende Länge von L=0,648 mL = 0{,}648\ \text{m} und einen Grundton von f1=82,4 Hzf_1 = 82{,}4\ \text{Hz}.


6 Stehende Schallwellen im Rohr – Kundt'sches Rohr

Schall in Luft ist eine Longitudinalwelle. Wir beschreiben sie über die Schnelle, also die Schwingungsbewegung der Luftteilchen:

Das Kundt'sche Rohr: Ein waagerechtes Glasrohr enthält ein feines, leichtes Pulver (z. B. Korkmehl). Ein Lautsprecher regt die Luftsäule an. Bei passender Frequenz bildet sich eine stehende Welle. Das Pulver wird an den Schnellebäuchen aufgewirbelt und sammelt sich in den Schnelleknoten. Der Abstand zweier benachbarter Pulverhäufchen beträgt λ/2\lambda/2. Damit lässt sich die Schallgeschwindigkeit bestimmen: c=λ⋅fc = \lambda \cdot f.

Rohrtyp Enden Bedingung Eigenfrequenzen mögliche Töne
beidseitig offen B … B L=n⋅λ2L = n \cdot \dfrac{\lambda}{2} fn=n⋅c2Lf_n = n \cdot \dfrac{c}{2L} alle Vielfachen von f1f_1
beidseitig geschlossen K … K L=n⋅λ2L = n \cdot \dfrac{\lambda}{2} fn=n⋅c2Lf_n = n \cdot \dfrac{c}{2L} alle Vielfachen von f1f_1
einseitig geschlossen K … B L=(2n−1)⋅λ4L = (2n-1) \cdot \dfrac{\lambda}{4} fn=(2n−1)⋅c4Lf_n = (2n-1) \cdot \dfrac{c}{4L} nur ungerade Vielfache von f1f_1

(n=1,2,3,…n = 1, 2, 3, \dots; cc = Schallgeschwindigkeit in Luft, bei 20 °C etwa 343 m/s343\ \text{m/s})

Stehende Schallwellen in offenen und einseitig geschlossenen Rohren
Abb. 2: Stehende Schallwellen in offenen und einseitig geschlossenen Rohren

Zeichnerische Lösung – Schritt für Schritt

  1. Enden prüfen: Am geschlossenen Ende ein K eintragen, am offenen Ende ein B.
  2. Bausteine kennen: Zwischen einem Knoten und dem nächsten Bauch liegt immer genau λ/4\lambda/4. Zwischen zwei Knoten (oder zwei Bäuchen) liegt λ/2\lambda/2.
  3. Grundschwingung: Die Rohrlänge mit möglichst wenigen Abschnitten füllen, sodass K und B immer abwechseln und beide Enden stimmen.
  4. Oberschwingungen: Jeweils ein weiteres Knoten-Bauch-Paar einfügen. Die Enden bleiben dabei unverändert.
  5. Hüllkurven zeichnen: Zwischen den markierten Punkten Sinusbögen einzeichnen (durchgezogen und gestrichelt gespiegelt). Knoten sind die Schnittpunkte, Bäuche die Stellen größter Öffnung.
  6. Ablesen: Die Viertelwellenlängen im Rohr abzählen. Daraus λ\lambda bestimmen und mit f=c/λf = c/\lambda die Frequenz berechnen.

Rechenbeispiel: Ein Rohr der Länge L=0,50 mL = 0{,}50\ \text{m} ist an einem Ende geschlossen (c=343 m/sc = 343\ \text{m/s}).


7 Welle im Kasten – das gemeinsame Prinzip

Wird eine Welle zwischen zwei Begrenzungen „eingesperrt“, läuft sie hin und her und überlagert sich mit sich selbst. Nur bestimmte Wellenlängen ergeben eine stabile stehende Welle. Das sind die Eigenschwingungen (Resonanzen) des Kastens. Welche Wellenlängen möglich sind, legen die Randbedingungen fest, also was an den Wänden sein muss (Knoten oder Bauch).

Für zwei gleichartige Wände (K–K oder B–B) gilt immer:

L=n⋅λ2⇒λn=2LnL = n \cdot \frac{\lambda}{2} \qquad\Rightarrow\qquad \lambda_n = \frac{2L}{n}
System Welle Ränder Bedingung
Gitarrensaite Querwelle auf der Saite K – K L=n⋅λ/2L = n \cdot \lambda/2
offenes Rohr Schallwelle B – B L=n⋅λ/2L = n \cdot \lambda/2
einseitig geschlossenes Rohr Schallwelle K – B L=(2n−1)⋅λ/4L = (2n-1) \cdot \lambda/4
Hertzscher Dipol Stromwelle im Leiter Strom: K – K Grundschwingung L=λ/2L = \lambda/2
Laser-Resonator Lichtwelle zwischen zwei Spiegeln K – K L=m⋅λ/2L = m \cdot \lambda/2 (mm sehr groß)

Merke: Je kleiner der Kasten, desto kleiner die möglichen Wellenlängen und desto höher die Frequenzen.


8 Hertzscher Dipol

Der Hertzsche Dipol ist ein gerader Metallstab, in dem elektrische Ladungen hin- und herschwingen. Er ist der Grundbaustein jeder Antenne und zeigt, wie elektromagnetische Wellen entstehen.

Stehende Welle im Dipol

L=λ2⇒f=c2L(c=3,00⋅108 m/s)L = \frac{\lambda}{2} \qquad\Rightarrow\qquad f = \frac{c}{2L} \qquad (c = 3{,}00 \cdot 10^8\ \text{m/s})
Strom- und Ladungsverteilung im Hertzschen Dipol
Abb. 3: Strom- und Ladungsverteilung im Hertzschen Dipol
Mitte des Dipols Enden des Dipols
Stromstärke II Bauch Knoten
Ladung, Spannung UU Knoten Bäuche (entgegengesetzt geladen)

Strom und Ladung sind zeitlich um T/4T/4 versetzt:

Wie entsteht die elektromagnetische Welle?

  1. Die Ladungen im Dipol werden ständig beschleunigt und abgebremst. Elektrisches und magnetisches Feld ändern sich dadurch periodisch.
  2. Ein sich änderndes elektrisches Feld erzeugt ein magnetisches Feld, und ein sich änderndes magnetisches Feld erzeugt ein elektrisches Feld. Die Felder halten sich gegenseitig aufrecht.
  3. Die Feldlinien des elektrischen Feldes schnüren sich vom Dipol ab und bilden geschlossene Schleifen. Diese Felder lösen sich vom Stab und breiten sich mit Lichtgeschwindigkeit cc in den Raum aus.

Eigenschaften der abgestrahlten Welle (im Fernfeld)

Rechenbeispiel: Ein Dipol soll Wellen mit f=100 MHzf = 100\ \text{MHz} abstrahlen. λ=cf=3,00⋅108 m/s1,00⋅108 Hz=3,00 m\lambda = \dfrac{c}{f} = \dfrac{3{,}00 \cdot 10^8\ \text{m/s}}{1{,}00 \cdot 10^8\ \text{Hz}} = 3{,}00\ \text{m}, also L=λ/2=1,50 mL = \lambda/2 = 1{,}50\ \text{m}.


9 Elektromagnetisches Spektrum

Alle elektromagnetischen Wellen breiten sich im Vakuum mit c=3,00⋅108 m/sc = 3{,}00 \cdot 10^8\ \text{m/s} aus. Sie unterscheiden sich nur in Wellenlänge und Frequenz und damit in der Energie ihrer Photonen.

Das elektromagnetische Spektrum mit dem sichtbaren Bereich
Abb. 4: Das elektromagnetische Spektrum mit dem sichtbaren Bereich
Bereich Wellenlänge (ca.) Beispiele
Radiowellen über 1 m Rundfunk, Hertzscher Dipol
Mikrowellen 1 mm – 1 m Mikrowellenherd, WLAN, Radar
Infrarot (IR) 700 nm – 1 mm Wärmestrahlung, Fernbedienung
sichtbares Licht 400 nm – 700 nm Farben von Violett bis Rot
Ultraviolett (UV) 10 nm – 400 nm Sonnenbrand, Desinfektion
Röntgenstrahlung 10 pm – 10 nm medizinische Durchleuchtung
Gammastrahlung unter 10 pm radioaktiver Zerfall

Sichtbares Licht (Richtwerte):

Farbe violett blau grün gelb orange rot
λ\lambda in nm 400 – 450 450 – 490 490 – 570 570 – 590 590 – 620 620 – 700

Merke: Kurze Wellenlänge bedeutet hohe Frequenz und energiereiche Photonen. Violettes Licht ist energiereicher als rotes, UV energiereicher als sichtbares Licht.


10 Photonen: Energie von Lichtquanten

Licht gibt Energie nicht beliebig, sondern nur in festen Portionen ab: den Photonen (Lichtquanten). Die Energie eines Photons hängt nur von der Frequenz ab:

E=h⋅f=h⋅cλE = h \cdot f = \frac{h \cdot c}{\lambda}
400 nm (violett) 700 nm (rot)
Photonenenergie ≈3,1 eV\approx 3{,}1\ \text{eV} ≈1,8 eV\approx 1{,}8\ \text{eV}

Rechenbeispiel: Ein grüner Laser hat λ=532 nm\lambda = 532\ \text{nm}. E=h⋅cλ=6,626⋅10−34J⋅s⋅3,00⋅108 m/s532⋅10−9 m≈3,74⋅10−19 J≈2,33 eVE = \dfrac{h \cdot c}{\lambda} = \dfrac{6{,}626 \cdot 10^{-34}{J·s} \cdot 3{,}00 \cdot 10^8\ \text{m/s}}{532 \cdot 10^{-9}\ \text{m}} \approx 3{,}74 \cdot 10^{-19}\ \text{J} \approx 2{,}33\ \text{eV}


11 Das Wasserstoffspektrum

Das Elektron im Wasserstoffatom kann nur bestimmte Energien annehmen, die Energieniveaus:

En=−13,6 eVn2(n=1,2,3,… )E_n = -\frac{13{,}6\ \text{eV}}{n^2} \qquad (n = 1, 2, 3, \dots)
nn 1 2 3 4 5 6 ∞
EnE_n in eV −13,6 −3,40 −1,51 −0,85 −0,54 −0,38 0

Übergang von einem höheren Niveau non_o auf ein tieferes Niveau nun_u: Die Energiedifferenz wird als ein Photon abgegeben.

ΔE=Eno−Enu=13,6 eV⋅(1nu2−1no2)=h⋅f=h⋅cλ\Delta E = E_{n_o} - E_{n_u} = 13{,}6\ \text{eV} \cdot \left( \frac{1}{n_u^2} - \frac{1}{n_o^2} \right) = h \cdot f = \frac{h \cdot c}{\lambda}
Energieniveaus und Spektralserien des Wasserstoffatoms
Abb. 5: Energieniveaus und Spektralserien des Wasserstoffatoms
Endniveau Bereich Beispiel
nu=1n_u = 1 Ultraviolett 2 → 1: 10,2 eV, 122 nm
nu=2n_u = 2 sichtbar (4 Linien) 3 → 2: 656 nm (rot)
nu=3n_u = 3 Infrarot 4 → 3: 1875 nm

Rechenweg für eine Spektrallinie:

  1. Energien der beiden Niveaus berechnen.
  2. ΔE=Eoben−Eunten\Delta E = E_{\text{oben}} - E_{\text{unten}} bilden (positiver Wert).
  3. In Joule umrechnen: ΔE in J=ΔE in eV⋅1,602⋅10−19\Delta E\ \text{in J} = \Delta E\ \text{in eV} \cdot 1{,}602 \cdot 10^{-19}
  4. f=ΔE/hf = \Delta E / h und λ=c/f\lambda = c / f berechnen (oder direkt λ=h⋅c/ΔE\lambda = h \cdot c / \Delta E).

Rechenbeispiel (4 → 2): ΔE=−0,85 eV−(−3,40 eV)=2,55 eV=4,09⋅10−19 J\Delta E = -0{,}85\ \text{eV} - (-3{,}40\ \text{eV}) = 2{,}55\ \text{eV} = 4{,}09 \cdot 10^{-19}\ \text{J} λ=h⋅cΔE=6,626⋅10−34⋅3,00⋅1084,09⋅10−19 m≈487 nm\lambda = \dfrac{h \cdot c}{\Delta E} = \dfrac{6{,}626 \cdot 10^{-34} \cdot 3{,}00 \cdot 10^8}{4{,}09 \cdot 10^{-19}}\ \text{m} \approx 487\ \text{nm} (mit c=2,998⋅108c = 2{,}998 \cdot 10^8 m/s genau 486 nm) → blaugrüne Linie, sichtbar.


12 Absorption und Emission

Absorption: Ein Photon wird nur dann absorbiert, wenn seine Energie genau einer Energiedifferenz im Atom entspricht (h⋅f=Eo−Euh \cdot f = E_o - E_u). Das Elektron springt dann auf das höhere Niveau. Fällt weißes Licht durch Wasserstoffgas, fehlen im Spektrum genau diese Wellenlängen: Es entstehen dunkle Absorptionslinien, und zwar an denselben Stellen wie die hellen Emissionslinien. (Ausnahme: Photonen mit mehr als der Ionisierungsenergie können das Elektron ganz herauslösen.)

Spontane Emission: Ein angeregtes Atom fällt nach kurzer Zeit (typisch etwa 10−8 s10^{-8}\ \text{s}) von selbst in ein tieferes Niveau zurück und sendet dabei ein Photon aus. Richtung und Phase des Photons sind zufällig. So leuchten Glühlampen, Leuchtstoffröhren und Gasentladungen.

Stimulierte (induzierte) Emission: Ein Photon mit genau der passenden Energie h⋅f=E2−E1h \cdot f = E_2 - E_1 trifft auf ein bereits angeregtes Atom. Es löst dabei die Emission eines zweiten, identischen Photons aus. Das auslösende Photon wird nicht absorbiert, sondern fliegt weiter.

spontane Emission stimulierte Emission
Auslöser zufällig, von selbst eintreffendes Photon passender Energie
Ergebnis 1 Photon 2 Photonen (auslösendes + neues)
Richtung, Phase, Polarisation zufällig identisch mit dem auslösenden Photon
Licht inkohärent (Lampe) kohärent, verstärkt (Laser)

13 Der Drei-Niveau-Laser

LASER = Light Amplification by Stimulated Emission of Radiation, also Lichtverstärkung durch stimulierte Emission.

Das Problem: Normalerweise sind fast alle Atome im Grundzustand. Ein Photon wird dann viel eher absorbiert, als dass es eine stimulierte Emission auslöst. Für eine Verstärkung müssen mehr Atome im angeregten Zustand als im Grundzustand sein. Das nennt man Besetzungsinversion. Mit nur zwei Niveaus ist sie nicht erreichbar, weil Pumpen und stimulierte Emission sich dann die Waage halten.

Drei-Niveau-Schema und Aufbau eines Laser-Resonators
Abb. 6: Drei-Niveau-Schema und Aufbau eines Laser-Resonators

Ablauf im Drei-Niveau-Laser

  1. Pumpen (E1→E3E_1 \to E_3): Energie wird von außen zugeführt, z. B. durch eine Blitzlampe. Die Atome werden vom Grundzustand E1E_1 auf das Pumpniveau E3E_3 angehoben.
  2. Strahlungsloser Übergang (E3→E2E_3 \to E_2): E3E_3 ist sehr kurzlebig. Die Atome gehen sehr schnell und ohne Lichtaussendung auf E2E_2 über. Die Energiedifferenz wird als Wärme an das Material abgegeben.
  3. Besetzungsinversion: E2E_2 ist metastabil, also vergleichsweise langlebig (etwa Millisekunden). Die Atome sammeln sich dort an. Ist mehr als die Hälfte der Atome in E2E_2, gilt N2>N1N_2 > N_1.
  4. Stimulierte Emission (E2→E1E_2 \to E_1): Ein zufällig spontan ausgesandtes Photon mit h⋅f=E2−E1h \cdot f = E_2 - E_1 löst bei anderen angeregten Atomen stimulierte Emission aus. Es entsteht eine Lawine identischer Photonen. Das ist das Laserlicht.

Merke: Die Pumpenergie E3−E1E_3 - E_1 ist größer als die Energie der Laserphotonen E2−E1E_2 - E_1. Laserlicht ist deshalb immer langwelliger als das Pumplicht.

Der Resonator

Beispiel: Der Rubinlaser (erster Laser, 1960) ist ein Drei-Niveau-Laser. Er wird mit grünem und blauem Licht einer Blitzlampe gepumpt und strahlt rotes Licht mit λ=694 nm\lambda = 694\ \text{nm} aus.


14 Eigenschaften von Laserlicht

Eigenschaft Bedeutung Ursache
monochromatisch Nur eine einzige, sehr scharf definierte Wellenlänge (Farbe) Alle Photonen stammen aus demselben Übergang E2→E1E_2 \to E_1, und der Resonator verstärkt nur passende Wellenlängen
kohärent Alle Wellenzüge haben eine feste Phasenbeziehung, räumlich und zeitlich Stimulierte Emission erzeugt Photonen mit identischer Phase
stark gebündelt Sehr geringe Aufweitung des Strahls Nur achsenparallele Photonen werden im Resonator verstärkt
hohe Intensität Viel Leistung auf kleiner Fläche Bündelung und Verstärkung

Sicherheit: Nie in einen Laserstrahl oder seine Reflexion blicken. Auch schwache Laser können die Netzhaut schädigen.


15 Laserlicht am Doppelspalt

Aufbau

Laserlicht fällt auf zwei schmale Spalte im Abstand gg. Auf einem Schirm im Abstand ee entsteht ein Muster aus hellen und dunklen Streifen.

Geometrie am Doppelspalt mit Gangunterschied und Intensitätsverteilung
Abb. 7: Geometrie am Doppelspalt mit Gangunterschied und Intensitätsverteilung

Qualitative Herleitung

  1. Huygens-Prinzip: Jeder Spalt wirkt als Ausgangspunkt einer neuen Kreiswelle (Elementarwelle).
  2. Kohärenz: Beide Spalte werden von derselben Laserwellenfront getroffen. Die beiden Elementarwellen starten daher gleichphasig.
  3. Gangunterschied: Zu einem Punkt P auf dem Schirm legen die beiden Wellen verschieden lange Wege zurück. Der Wegunterschied ist der Gangunterschied Δs\Delta s.
  4. Interferenz: Ist Δs\Delta s ein ganzzahliges Vielfaches von λ\lambda, treffen Berg auf Berg: heller Streifen (Maximum). Ist Δs\Delta s ein ungeradzahliges Vielfaches von λ/2\lambda/2, trifft Berg auf Tal: dunkler Streifen (Minimum).
  5. In der Mitte ist Δs=0\Delta s = 0. Dort liegt immer das helle Hauptmaximum (k=0k = 0). Nach außen folgen abwechselnd Minima und Maxima, symmetrisch zu beiden Seiten.

Formeln

Da der Schirm weit entfernt ist (e≫ge \gg g), laufen beide Strahlen praktisch parallel.

Für den Winkel zum kk-ten Maximum gilt am Schirm: tan⁡αk=dke\tan\alpha_k = \dfrac{d_k}{e} (dkd_k = Abstand des kk-ten Maximums von der Mitte).

Kleinwinkelnäherung: Für kleine Winkel (etwa α<5°\alpha < 5°) gilt:

dke=k⋅λg⇒dk=k⋅λ⋅egbzw.λ=dk⋅gk⋅e\frac{d_k}{e} = \frac{k \cdot \lambda}{g} \qquad\Rightarrow\qquad d_k = \frac{k \cdot \lambda \cdot e}{g} \qquad\text{bzw.}\qquad \lambda = \frac{d_k \cdot g}{k \cdot e}

Merke: Größere Wellenlänge → Streifen weiter auseinander. Größerer Spaltabstand gg → Streifen enger zusammen. Größerer Schirmabstand ee → Streifen weiter auseinander.

Rechenbeispiel: Ein roter Laser (λ=650 nm\lambda = 650\ \text{nm}) beleuchtet einen Doppelspalt mit g=0,25 mmg = 0{,}25\ \text{mm}. Der Schirm steht e=3,00 me = 3{,}00\ \text{m} entfernt. Δd=λ⋅eg=650⋅10−9 m⋅3,00 m0,25⋅10−3 m=7,8⋅10−3 m=7,8 mm\Delta d = \dfrac{\lambda \cdot e}{g} = \dfrac{650 \cdot 10^{-9}\ \text{m} \cdot 3{,}00\ \text{m}}{0{,}25 \cdot 10^{-3}\ \text{m}} = 7{,}8 \cdot 10^{-3}\ \text{m} = 7{,}8\ \text{mm} Das 2. Maximum liegt also d2=15,6 mmd_2 = 15{,}6\ \text{mm} von der Mitte entfernt. (Kontrolle: α≈0,3°\alpha \approx 0{,}3°, die Kleinwinkelnäherung ist erfüllt.)

Warum Laserlicht?


16 Formelübersicht

Thema Formel
Wellengleichung c=λ⋅fc = \lambda \cdot f, f=1/T\quad f = 1/T
Saite (fest–fest) L=n⋅λ2L = n \cdot \dfrac{\lambda}{2}
Rohr offen–offen / geschlossen–geschlossen L=n⋅λ2L = n \cdot \dfrac{\lambda}{2}
Rohr einseitig geschlossen L=(2n−1)⋅λ4L = (2n-1) \cdot \dfrac{\lambda}{4}
Hertzscher Dipol (Grundschwingung) L=λ2L = \dfrac{\lambda}{2}
Photonenenergie E=h⋅f=h⋅cλE = h \cdot f = \dfrac{h \cdot c}{\lambda}
Wasserstoff: Energieniveaus En=−13,6 eVn2E_n = -\dfrac{13{,}6\ \text{eV}}{n^2}
Laser h⋅fLaser=E2−E1h \cdot f_{\text{Laser}} = E_2 - E_1
Interferenz konstruktiv: Δs=k⋅λ\Delta s = k \cdot \lambda, \quad destruktiv: Δs=(2k+1)⋅λ2\Delta s = (2k+1) \cdot \dfrac{\lambda}{2}
Doppelspalt (Kleinwinkel) dk=k⋅λ⋅egd_k = \dfrac{k \cdot \lambda \cdot e}{g}, λ=dk⋅gk⋅e\quad \lambda = \dfrac{d_k \cdot g}{k \cdot e}

Konstanten

Größe Wert
Lichtgeschwindigkeit im Vakuum c=2,998⋅108 m/s≈3,00⋅108 m/sc = 2{,}998 \cdot 10^8\ \text{m/s} \approx 3{,}00 \cdot 10^8\ \text{m/s}
Plancksches Wirkungsquantum h=6,626⋅10−34J⋅s=4,136⋅10−15eV⋅sh = 6{,}626 \cdot 10^{-34}{J·s} = 4{,}136 \cdot 10^{-15}{eV·s}
Elementarladung e=1,602⋅10−19 Ce = 1{,}602 \cdot 10^{-19}\ \text{C}
Elektronenvolt 1 eV=1,602⋅10−19 J1\ \text{eV} = 1{,}602 \cdot 10^{-19}\ \text{J}
Schallgeschwindigkeit in Luft c≈343 m/sc \approx 343\ \text{m/s}

Achtung, Verwechslungsgefahr: Der Buchstabe ee steht in der Atomphysik für die Elementarladung, beim Doppelspalt für den Schirmabstand. cc ist je nach Aufgabe die Lichtgeschwindigkeit, die Schallgeschwindigkeit oder die Wellengeschwindigkeit auf einer Saite. Immer prüfen, welche Welle gemeint ist.

Checkliste: Kann ich …